Nostalgische Tage im Dezemeber

Viele werden wissen, wie es ist: Ende Dezember fährt man in die Heimat, wo man sonst nur für einen kurzen Familienbesuch über das Wochenende vorbei schaut und man bekommt so ein Gefühl  von Nostalgie. Auch ich bin am 20. Dezember in den Zug gestiegen, um die Feiertage bei meiner Familie zu sein. Das letzte mal war ich im August dort. 
Weihnachten liegt immer ein ganz besonderer Zauber in der Luft: Ich genieße zum Beispiel die Zeit beim Essen besonders gern, Spaziergänge mit den Eltern, wo man als Kind sonntags immer zu gedrängt wurde. Bei mir zuhause, einem Vorort von Bremen, hatte sich mal wieder nicht viel verändert. Meine Eltern sind zwar umgezogen, aber die anderen Häuser sahen immer noch wie früher aus.
Manchmal frage ich mich, wie es wäre, wenn ich wieder in Bremen wohnen würde. Höchstwahrscheinlich müsste ich erst mal intensive Gespräche mit meinem Freund führen, um Überzeugungsarbeit zu leisten mit mir dorthin zu ziehen. Wir würden uns vielleicht eine große Wohnung oder ein kleines Häuschen kaufen, da es dort noch möglich ist. Eine Familienidylle könnte entstehen. Meine Familie würde ich öfter sehen. Das ist auch noch ein großer Pluspunkt. Doch was noch? Über das Wetter hatten wir mal wieder viel geschimpft, da wir in 7 Tagen tatsächlich nur 2 Stunden mit Sonnenschein hatten. Sonst nur bewölkt und bedeckt. Weder strömender Regen, noch Schneefall. Milde Temperatur von 9 Grad. Sehr unspektakulär.
Vor fast drei Jahren habe ich meinen Koffer gepackt und bin nach der Ausbildung nach München gezogen. Doch wieso konnte mich Bremen nicht halten? Grundsätzlich wäre es für mich möglich gewesen, bei der Bank zu bleiben, wo ich gelernt hatte. Eine Universität und private Hochschulen gibt es dort auch. Jedoch hatte ich das Gefühl, dass es mehr Chancen in einer Stadt wie München für mich gibt. Mein Job, mein Studium und meine Beziehung ließen sich hier besser verbinden. Die Möglichkeit Teilzeit während des Studiums in der Bank zu arbeiten, gab es nicht. Hier schon. Freizeit ist für mich zu einem hohen Gut geworden und dann verzichte ich auch gerne auf etwas Gehalt, um nicht nur vor dem Laptop und den Uni-Skripten zu sitzen. Denn das Leben besteht doch aus mehr, oder nicht?
Doch wieso können viele Kleinstädte ihre gut ausgebildeten, jungen Leuten nicht halten? Viele meiner Freunde und Bekannte haben ihre Heimatstadt verlassen. Oftmals wollten diese Leute erst einmal was Neues sehen. Doch die wenigstens kehren direkt nach dem Studium zurück, da auch Kleinstädte wie Bremen mit über 500.000 Einwohnern nicht alle Jobprofile abdeckt. Große Zeitungen für Journalisten oder Marketing Agenturen gibt es nicht unbedingt. Wenn es einen Job gibt, wird er meistens weniger gut bezahlt. Für kreative Bereiche gibt es also grundsätzlich schon mal weniger Chancen in kleinen Städten. Für den E-Commerce Bereich gibt es auch sehr wenig Möglichkeiten. Aber warum? Verkäufer für den Einzelhandel und Lageristen sind in kleineren Städten noch groß gefragt. Jedoch habe ich nur wenig Menschen in meinem Umfeld, die sich für diesen Bereich entscheiden. Somit ist es grundsätzlich schwierig Karriere mit der Heimatstadt zu verbinden.
Was mich außerdem stutzig macht? Das Verkehrsnetz ist zwar im Umkreis von 5-10km vom Bremer Stadtkern wirklich gut ausgebaut. Es gibt regelmäßig fahrende Busse und Straßenbahnen.Jedoch darüber hinaus schwierig. Den Zug, den ich genutzt habe, als ich zu meiner Ausbildungsstätte gefahren bin, ist zwar laut Fahrplan zwei mal die Stunde gefahren, jedoch wurde sich nicht immer an den Fahrplan gehalten. So kam es vor, dass ich wirklich eine Stunde auf den Zug nach Hause gewartet habe. Was mich auch überrascht hat? Das Handynetz ist immer noch nicht komplett Deutschlandweit auf einem guten Standard. Es gibt kleine Orte bei mir in der Heimat, wo ich einfach keinen Empfang habe. Und da frage ich mich wirklich nur , wie kann das in 2017 noch sein?
Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt, wenn auch in meinem Freundeskreis und bei mir die eigene Familienplanung angegangen wird. In München ist das nämlich mittlerweile eine der größten Herausforderungen, wie ich Tag täglich sehe. Bei Immobilienpreisen für ein kleines Reihenhaus mit 200m² Grundstück von über 800.000 EUR ist es nicht mehr fragwürdig, warum München Deutschlands zweit größten Single Stadt ist.

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