Eine Kolumne über soziale Medien, Zeit & dem Aussteigen: Ist das Gras auf der anderen Seite wirklich grüner?

In der heutigen Zeit ist es so einfach am Leben von Freunden, Familienmitgliedern oder auch völlig Unbekannten teilzunehmen. Auch wenn diese Menschen in einer anderen Stadt oder sogar auf einem anderen Kontinent leben. Denn die sozialen Medien machen es uns einfach einen Einblick in das Leben Anderer zu bekommen. Meiner Meinung nach Fluch und Segen zugleich. Ich finde es klasse, dass ich am Leben meiner Liebsten auf diese Art teilnehmen kann und ich genieße es auch mich von völlig Fremden inspirieren zu lassen. Momentan kommt mir häufiger die Frage, ist das Leben der anderen Menschen wirklich so erfüllt, wie es auf Instagram dargestellt wird?

Denn meiner Meinung nach ist dieser Einblick viel zu oft inszeniert. Wir als Konsumenten von Posts, Instagram Stories oder Blogposts bekommen nur das zu sehen, was sie wollen. Und das sind oftmals die schönsten Momente. Denn wer postet schon gerne ein Bild aus dem Office, um seinen Mitmenschen zu sagen, dass man die Woche wieder 12 Überstunden gemacht hat und die Wohnung in dreckiger Wäsche erstickt und der Kühlschrank auch noch leer ist und man deswegen wieder bei Foodora & Co. Essen bestellen muss. Das möchte wahrscheinlich keiner sehen. Denn das haben wir auch selbst zuhause.

Wäre es nicht beruhigend zu sehen, dass wir alle die gleichen Herausforderungen haben? Ich frage mich nämlich sehr oft, wie es andere schaffen, zehn Städte über das Jahr zu bereisen. Gleichzeitig noch die Karriereleiter hochzuklettern, einen Partner zu haben mit dem sie sich hervorragend verstehen und natürlich ist noch drei bis vier Mal die Woche ins Gym zu gehen und so viele tolle Freunde zu haben, mit denen man im engen Kontakt steht.

Und by the way ist es selbstverständlich, dass man seine Familie mindestens einmal im Monat am Wochenende besucht, obwohl sie am anderen Ende von Deutschland wohnen.  Wichtig ist dabei, dass diese Menschen natürlich gerade Mitte zwanzig sind und dabei ein großes, finanzielles Polster haben. Mal ganz ehrlich: Wie schaffen diese Menschen es? Und hierbei spreche ich nicht mal über reichenweitenstarke Blogger oder bekannte Persönlichkeiten. Denn oftmals versuche ich mich von unbekannten Menschen inspirieren zu lassen, die ein normales Leben wie Du und Ich haben.

Ein bis zwei Mal die Woche bemerke ich wie ich durch meinen eigenen Instagram Feed scrolle und merke, dass ich dort ebenfalls viele schöne Momente festgehalten habe. In meinen Stories halte ich aber auch Momente fest, die nicht immer schön sind, damit realisiert wird, dass auch ich Momente habe in denen es mir nicht so gut geht. Dabei bin ich auch immer wieder am überlegen, ob es nicht besser für mich wäre einfach alles zu löschen.

Kein Instagram, Facebook & Co mehr. Sondern einfach wieder ein Leben führen, ohne irgendwie Beobachter durch das eigene Smartphone zu spielen. Sich von niemanden beeinflusse zu lassen, irgendein Restaurant auszuprobieren oder eine Bluse zu kaufen. Sondern sich die Zeit wieder dafür nehmen, den Moment zu genießen ohne die Angst haben, etwas zu verpassen. Einfach Aussteigen. Gleichzeitig denke ich dann, dass ich mich gerne über neue Trends, angesagte Lokale, Rezepte zum nach kochen und Urlaubsmöglichkeiten informiere. Vielleicht werde ich das nur bald anders machen…

Ich bete wirklich dafür, dass die anderen normal-sterblichen Menschen viele Eindrücke aus vergangenen Trips und Tagen posten, denn sonst weiß ich nicht wie das funktionieren soll. Merkwürdige Welt in der wir leben. Ich weiß noch nicht, wohin das alles führen wird…

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